Objektiv betrachtet*

Nein, ich bin kein Technikfreak. Natürlich freue ich mich über ein neues Smartphone oder mein Laptop. Aber ich bin nicht verrückt danach. Was es mir allerdings angetan hat, ist wirklich wertige Technik. Also die Art von Wertigkeit, die man sehen und fühlen kann.

Ein Beispiel ist meine alte Nikkormat (mit der man im Wortsinn Nägel in die Wand schlagen konnte) und ein 105mm Objektiv mit Glaslinsen und einem Metallring zum Fokussieren.

Nikon1(Der Grund, warum „Auto“ darauf steht, ist wahrscheinlich nur der Tatsache geschuldet, dass die Blende über diesen Mitführmechanismus an die Kamera übertragen wird:)Nikon2Das allerdings funktioniert bei der Wiedergeburtsgeschichte, um die es mir heute geht, eh nicht mehr.

Zur Geschichte: Ich besitze nun seit einem guten Jahr eine Systemkamera, die Fujifilm X-M1. Mit ein Grund, mich für diese zu entscheiden, war ihre Ästhetik – sie erinnert einfach an die alten Leica Sucherkameras.

fujifilm1Ich bin ziemlich zufrieden mit ihr, wenngleich ich mich ärgere, dass ich nicht die teurere Variante mit Sucher genommen habe. So brauche ich zum richtig scharf stellen eine Lesebrille. Schwamm drüber.
Ich kaufte sie mir im Set mit einem 16-50mm 1:3,5-5,6 Fujinon Objektiv. Wie man sich denken kann, nichts Besonderes. Seitdem liebäugele ich damit, mir ein wirklich gutes Objektiv zu gönnen, aber die sind richtig teuer.  Nach mehreren sehnsüchtigen Blicken in meinen musealen Altkameraschrank entschied ich mich zu einem Experiment und bestellte einen passenden Novoflex Objektivadapter.

Mein erster Eindruck: Wow, sitzt richtig stramm, klasse verarbeitet**. Mein erster Schreck: Kamera löst nicht aus (kleiner Tipp: Im Menü „Aufnahme ohne Objektiv: An“ wählen). Der Rest war: „Eine richtig gute Entscheidung getroffen, Richard!“

Sicher, es ist eine ganz andere Art zu Fotografieren. Komplett manuell und sehr entschleunigt. Was aber nicht heißt, dass man nicht auch Lebewesen fotografieren kann:Vierpfoten_Winter2Den Kontrastumfang der X-M1 hatte ich schon vorher bewundert. Dieser in Kombination mit der präzisen Optik macht einfach richtig Spaß.  Am meisten erstaunt hat mich, wie einfach die Handhabung ist. Sprich, die manuelle Bedienung einer Kamera, die mit allem möglichen digitalem Schnittschnack ausgerüstet ist. Braucht man  alles nicht:
Blende am Objektiv vorwählen (welche das ist, braucht die Kamera nicht zu wissen, die soll nur das reinkommende Licht messen), leicht auf den Auslöser drücken und die Belichtung kontrollieren. Blende und/oder Zeit nachregeln, wenn nötig noch die ISO-Zahl ändern. Scharf stellen, fotografieren. Vielleicht noch mal kontrollieren.

MagnolieNun habe ich oben meine Liebe für das 105mm Objektiv gestanden. Dummerweise gibt es aber die 1,5fache Brennweitenverlängerung an der X-M1, da deren Chip kleiner ist als ein 36mm-Film. Daher verwende ich nun eher mein 55mm Makro, das vom Ausschnitt  einem 85mm ähnelt – und damit gut für Porträts geeignet ist:Schneemann1An einem Ausschnitt aus diesem Bild lässt sich übrigens noch sehr schön die Detailtreue zeigen***:

SchneemanndetailAn dieser Stelle ein kurzer Einschub: Ich bin kein Objektivtester und urteile rein nach persönlichem Eindruck. Eigentlich geht es mir um etwas ganz anderes: Es tat mir immer leid, dass die guten alten Dinger im Schrank verstaubten. Nun erwecke ich sie dank des Adapters wieder zum Leben. Und mache mir dabei bewusst, was – technisch – das Wesentliche bei der Fotografie ist: Bei der Kamera zählt vor allem der Film (heute: der Chip), und sie sollte Belichtungszeiten vernünftig steuern können. Alles andere ist SchnickSchnack. Die eigentliche Qualität eines Bildes hängt vom  Objektiv ab. Und da lohnt es durchaus, alte Schätzchen wieder hervorzuholen.

Fechten1Es würde mich übrigens sehr freuen, wenn in den Kommentaren noch weitere Erfahrungen zum Thema „Alt und neu gekoppelt“ geteilt würden.

*Das ist natürlich alles andere als „Objektiv betrachtet“, sondern nur meine sehr persönliche Sicht der Dinge. Und es ist natürlich Product Placement. Aber da ich weder von Fuji noch von Nikon von Novoflex etwas bekommen habe (außer einer netten Mail, siehe**), habe ich gar kein schlechtes Gewissen dabei.

**Noch eine Anekdote: Da ich ja hin und wieder versuche, ein Gutmensch zu sein, habe ich den Adapter direkt bei Novoflex und nicht über Amazon bestellt. Nachdem ich eine gute Woche nichts gehört habe, fragte ich nach und wurde auf „KW 5/6“, also in zwei, drei Wochen vertröstet. Ich – natürlich super sauer – beschwere mich entsprechend. Und bekomme eine Antwort mit der Bitte um Verständnis: „Wir sind ein relativ kleiner Betrieb, der fast das ganze Sortiment selbst fertigt. Fällt eine Person aus, kann diese nicht ohne weiteres durch eine andere kurzfristig ersetzt werden, da jeder hier sein Spezialgebiet hat.“ Von dem Moment an stellte ich mir einen hochkonzentrierten Fachmann vor, der gewissenhaft an MEINEM Adapterring feilte – und freute mich doppelt, als ich ihn in Händen hielt. Das war das Warten wert 🙂

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