Emma Watson oder Die Erfindung der hater

Wie blöd ist die Welt? Da hält Emma Watson  eine großartige Rede, für die sie zu Recht standing ovations und viel Zuspruch im Netz erhält – und dann starten ein paar Vollpfosten eine vermeintliche Hassaktion und etliche Redaktionen rücken diese statt  Watsons Botschaft in den Fokus.Ein Kommentar auf Zeit.de etwa spricht von der „Aggression im Netz“ und führt dann den Hoax mit emmayouarenext.com (der zu dem Zeitpunkt natürlich noch als echt angesehen wurde) als einzigen Beleg an. Die Überschrift „Wie auf dem Schulhof“ erweist sich da im Nachhinein als quasi prophetisch, wenngleich nicht so gemeint.

Was steckt dahinter? Ein Social Media Marketing Unternehmen behauptet, von berühmten Persönlichkeiten angeheuert worden zu sein, um eine #shutdown4chan-Aktion zu starten. Und kam  auf die grandiose Idee, die Drohung mit den Nacktbildern von Emma Watson zu erfinden.

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Nennen wir es repräsentativ: 2 mal die Hass-Meldung versus 1 mal die Rede selbst

Wie bescheuert ist es eigentlich sowohl von den Aktionisten als auch den Journalisten? Von den Aktionisten, die damit eine Hassreaktion erfinden, die es so nicht gegeben hat. In etwa so, als würde ich die alte Dame nebenan mit dem Messer bedrohen, um die Polizei darauf aufmerksam zu machen, dass es da draußen echte böse Menschen gibt, um die sie sich doch bitte mal kümmern sollen. Ich würde hoffentlich sofort in die Geschlossene eingewiesen.

Und von den Redaktionen, die damit ein Bild der Welt, der Männer, erzeugen, dass zum Glück in dieser Intensität nichts mit der Realität zu tun hat. Emma Watsons Rede wurde nach einem Tag bereits über 6 Millionen mal angesehen (schwer zu zählen, da es mehrfach auf Youtube liegt). Das am häufigsten gesehene Video hat 34.500 likes versus 1300 dislikes. Scheint mir schon eher repräsentativ und zeigt, wie blöd es ist, dieser Minderheit mit einer Berichterstattung über zudem  noch erfundene Hassreaktionen auch noch Gewicht zu verleihen.

Aber es gibt Erfreuliches: Die Aktion, um die es eigentlich geht – nämlich heforshe.org – die sich zum Ziel gesetzt hat, 100.000 Befürworter zu finden, hat dieses Ziel schon jetzt erreicht. Die Welt ist also doch nicht so schlecht, wie wir immer denken. Sie ist nur in Teilen unsäglich doof.

Und wer sich jetzt von dieser Doofheit erholen will, der hört sich einfach noch mal Emma Watsons Rede an. Es lohnt sich:

Nachtrag: SPON hat sich die Sache mit den angeblichen Nackbildern mal genauer angesehen.

Ein Gedanke zu „Emma Watson oder Die Erfindung der hater“

  1. Die bescheuerte Marketing-Aktion lenkt nicht nur von Mrs Watsons Rede ab, sie schadet ganz direkt den Themen. Es ist gar keine Frage, dass es Stussköppe, die nichts geiler finden, als prominente Frauen nackt zu sehen, und bescheuerte Antifeministen gibt, die im Netz Hass gegen jede feministische Aussage verbreiten. Gleichzeitig behaupten die aber immer, dass es so etwas gar nicht gäbe, es sei alles von Feministinnen organisiert.

    Tja, jetzt haben sie einen „Beweis“*.

    *Klar, in Wirklichkeit ist das höchstens ein Beispiel, aber so ticken Verschwörungstheoretiker bekanntlich nicht.

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